Press

Gute Adresse für Italophile


Presse: A Casa di Tomilaia

Nicht mehr ganz neu, aber noch ohne die Patina, die nur die Fußabdrücke von Generationen hinterlassen können, ist das sogenannte Florentinische Viertel in Frankfurt.

Es ist ein Areal, das unter diesem Namen wenig bekannt ist. Um so mehr ist es das rot verklinkerte, mit goldenen Spitzen behelmte Main-Plaza-Hochhaus an seinem Rand. Von diesem hübschen Turm aus läuft man über einen großen Platz auf einen Arkadengang zu, in dem nebeneinander das Restaurant ,,A Casa di Tomilaia“ und die Bar „Demarchi“ liegen. Das „Tomilaia“, das es in kleinerer Form seit drei Jahren gab, befindet sich jetzt im ehemaligen, 2002 eröffneten ,,Biancalani“; sein Besitzer Tom Bock, Eigentümer des gesamten Areals, hat umgebaut. Er hat, als wäre es Lego, Steine verschieben und Wände verrücken lassen, renoviert und erweitert. Statt zweier gibt es jetzt neben der Bar nur noch ein Lokal. Einen neuen Küchenchef gibt es auch, es ist Christoph Kubenz, der aus dem ,,Schaumahl“ in Offenbach kam. Der räumliche und personelle Umbau hat sich gelohnt.

Das neu möblierte ,,Tomilaia“, das unspektakulär wirkt. wenn man von außen hineinschaut, und innen dann cool und gemütlich ist, hat jetzt eine dezidiert ländlich-italienische, dabei hochwertige Ausrichtung. Sie hat die Klasse, die ein guter Koch prägen kann, der unter guten Bedingungen arbeitet. Zum ,,Tomilaia“ gehört auch ein kleiner, vorgelagerter Verkaufsraum. Bock, der in Italien ein Weingut hat, bietet darin seine Weine und die befreundeter Winzer an. Gegen ein Korkgeld können die Flaschen im Restaurant getrunken werden, es wird aber auch glasweise ausgeschenkt.

Ein blitzsauberer Allrounder unter den Weißen ist der ,,Bianco Bianco“, eine Cuvée, aus der Sauvignon Blanc deutlich hervorschmeckt, (13 und 23 Euro für die Flasche). Liebhabern guten Chardonnays sei ,,White Mama“ empfohlen (25 und 39 Euro), geübten Rotweintrinkern der ,,Hash Ish“ aus Sangiovese und Merlot (46 und 60 Euro).

Zu essen gibt es Gerichte vorwiegend toskanischer Art, aus bester Ware und ambitioniert zubereitet. Dressings sind hervorragend abgeschmeckt, Nudelteig ist durchscheinend-seidig und geschmackvoll-fest, es gibt gutes Fleisch und saftigen Fisch, interessante Beilagen wie die Polenta mit eingerührtem Fontina oder den Wirsing mit Peperoncini, Rosinen und Pinienkernen. Alles ist sensibel gewürzt und anmutig präsentiert, kurz: hier zu essen macht Spaß.

Eine Probe aufs Exempel machen kann man mit einem Carpaccio vom Rind, das weder zu buttrig noch zu fest ist, sondern das Aroma eines gut gehaltenen Tieres hat. Vertiefen lässt sich das, wenn mindestens zwei das Gleiche wollen, mit einer Bistecca Fiorentina (am besten vorbestellen), zu der passen die Ofenkartoffeln mit Rosmarin und Knoblauch besonders gut.

Wie ein Spaziergang in einem sommerlichen Garten ist der Brotsalat (Panzanella), der vor allem vom Aroma der Tomaten lebt und von der Qualität des Öls. Eine zarte Milde, die nicht ins Süße kippt, hat die Kürbisfüllung in den zu Hütchen gedrehten, Cappellacci genannten Ravioli, mit Butter und Salbei schmecken sie hervorragend. Sonntags gibt es eine gute und sehr günstige Pizza Margherita und unter der Woche mittags für die, die es eilig haben, neben den À-la-carte-Angeboten ein Tellergericht mit einem Glas Wein für unter zehn Euro (Gerichte sonst bis etwa 30 Euro).

Go back