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1. Platz: Italien alla Mamma


Presse: A Casa di Tomilaia

Das Casa di Tomilaia in den ehemaligen Räumlichkeiten des Biancalani ist ein würdiger Nachfolger des italienischen Restaurants, in dem man stets herausragende und einfallsreiche italienische Küche serviert bekam. Die Gerichte sind vielleicht etwas einfacher gehalten als im Vorgänger, aber genauso stilsicher auf den Punkt zubereitet. Gleiches gilt für die Einrichtung im modernen lndustrie- Vintage-Look: nicht überladen, aber auch nicht zu cool, und das in farbigen Lichtern beleuchtete Flaschenregal an der Wand ist ein echter Hingucker. Auch der Service passt zur Umgebung: Er ist professionell und zugleich angenehm lässig, kennt die Gerichte und die Weine und serviert ohne überflüssige pseudo-italienische Kapriolen. Auf der Karte finden sich viele Klassiker wie Panzanella (9,50 €) oder Spaghetti Aglio Olio Peperoncino (7€). Der italienische Brotsalat kommt mit wunderbar aromatischen kleinen Tomaten und gerösteten Brotwürfeln und lässt nichts zu wünschen übrig, Gleiches gilt für die Sardellenfilets (6 €), die nicht zu sauer, sondern angenehm würzig sind. Beides zusammen ist übrigens eine tolle sommerliche Kombination. Ein echter norditalienischer Klassiker sind die mit Kürbis gefüllten Cappellaci mit Salbei (14 €). Die Nudeln schmecken, da sie mit Amaretti und einem Hauch Zitronenschale gewürzt sind, etwas süßlich und werden ohne Parmesan serviert. Dieses Gericht dürfte man nördlich von Italien selten in einer solchen Qualität finden wie hier. Auch das Spargelrisotto mit Trüffeln (21 €) überzeugt in seiner Kombination aus erdigen und süßlichen Noten und natürlich mit auf den Punkt gegartem Reis. Da dem Eigentümer Tom Bock in der Toskana das Weingut Tomilaia gehört, werden in der Casa vor allem die eigenen Weine ausgeschenkt. Hinzu kommen einige ausgesuchte Flaschen von befreundeten Winzern („Friends of Tomilaia“). Die Weinauswahl ist daher für ein Restaurant dieser Klasse etwas beschränkt. Der San, ein Rose (0,2 1/7,60 €) aus Sangiovese-Trauben, ist ein herrlicher Aperitif-Wein, hell und erfrischend und für einen Rose schon ziemlich kräftig. Ähnliches gilt für den Bianco Bianco (3,30 €), einen frischen Sommerwein, der sich aber auch zu dem Spargel mit Trüffeln gut behauptete. Etwas fülliger ist White Mama" (5,50 €), ein Chardonnay vom Weingut Father’s Pride, und der samtige Syrah von Stefano Amerighi (6 €) ist ein erstklassiger Rotwein mit einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. Der schönste Tisch ist der etwas erhöhte Vierertisch direkt am großen Fenster zur Küche. Hier kann man den Köchen bei der Arbeit zusehen und sich auf die kommenden Genüsse freuen. Und wenn am Schluss Luca Carboni „Farfallina“ anstimmt, war es ein perfekter italienischer Abend.

Journal Frankfurt

Diemut Roether

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